Motettenchor Stuttgart

Pressestimmen


Georg Friedrich Händel: Der Messias (WLZ 12/2011)
Johann Sebastian Bach: h-moll Messe (LKZ 03/2011)
Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (STN 09.12.2008)
Felix Mendelssohn Bartholdy: Elias (STN 20.11.2007)
Eva Schorr: Wir sind ein Teil der Erde (STZ 08.10.2007)
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion (STZ 03.04.2007)
Georg Friedrich Händel: Der Messias (STN 12.12.2006)
Wolfgang Amadeus Mozart: Krönungsmesse, Vesperae solennes de Confessore (STN 17.05.2006)
Sergej Rachmaninow: Die Glocken (STZ 13.01.2006, STN 14.01.2006)
Johannes Brahms: Liebeslieder-Walzer, Zigeunerlieder, Instrumentalmusik (STN 13.06.2005)
César Franck: Die Sieben Worte Jesu am Kreuz; Gioacchino Rossini: Stabat Mater (STN 18.03.2005)
Joseph Haydn: Die Schöpfung (STN 19.10.2004)
Ludwig van Beethoven: Christus am Ölberge und Messe in C-Dur (STN 30.03.2004)
Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (STN 10.12.2003)
Anton Bruckner: Motetten und Posaunenmusik (STN 31.10.2003)
Johann Sebastian Bach: Johannespassion (STN 17.04.2003)
Georg Friedrich Händel: Messias (STZ 12.12.2002)
Georg Friedrich Händel: Messias (STN 10.12.2002)
Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem (STN 05.03.2002)
Johann Sebastian Bach: Messe h-moll (STN 04.12.2001)
Johann Sebastian Bach: Messe h-moll (STZ 04.12.2001)
G. Graulich nimmt Abschied vom Motettenchor Stuttgart (STZ 01.12.2001)
Felix Mendelssohn-Bartholdy: Paulus (STZ 15.05.2001)


Georg Friedrich Händel: Der Messias (WLZ 12/2011)

Der Messias

Das passiert in Welzheim wirklich nicht alle Tage. [...] Im "Glory to God", dem ersten der von Händel mit Pauken und Trompeten hervorgehobenen Chor, macht der Chor bei "in the highest" ("in der Höhe") geradezu einen musikalischen Luftsprung, während er sich bei "on earth" ("auf Erden") so richtig breit macht. Und am Schluss des Gloria sieht man den letzten Engel der himmlischen Heerscharen förmlich hinter einer Wolke verschwinden. Bei "Why do the nations so furiously rage together … " ("warum rasen und toben die Heiden ...") geht es wirklich rund, viele aus dem Publikum wurden mitgerissen und begannen sachte mit den Füßen zu wippen.

Zu Beifall quasi auf offener Szene hingerissen wurden die Zuhörer am Schluss des berühmten "Hallelujah", das sich nach eher zurückhaltendem Beginn zu großartiger Klangpracht entfaltete. [...] Nun, das Singen überlässt man bei uns dem Chor, der bestens vorbereitet war und mit einem vollen, ausgewogenen Klangbild eine glänzende Leistung bot: Deutliches Deklamieren, betonte Gestaltung der Texte, saubere Intonation, exakte Ausführung der Sechzehntel-Läufe bei bisweilen atemberaubendem Tempo.

Das professionell agierende Orchester, die Stuttgarter Kammerphilharmonie, stand ihm in nichts nach und folgte aufmerksam und stets präsent der Interpretation des Dirigenten. Die Hirtensinfonie beispielsweise erklang so weniger schwebend, sondern eher akzentuiert und handfest, wie halt die Hirten sind, auf die die Musik hinweisen soll.

Die Sopran-Solistin Isabelle Müller-Cant gefiel besonders im ausdrucksvollen Piano, zu einer besonders schönen Leistung steigerte sich der Bassist Manfred Bittner zusammen mit dem Trompeter Karl-Heinz Halder bei der Arie "The trumpet shall sound ..". Makellos und immer überzeugend agierten Andreas Weller (Tenor) und Sabine Czinczel (Alt).

Eine ganz hervorragende Arbeit leistete der Dirigent Simon Schorr, der Solisten, Chor und Orchester inspiriert, ruhig und sicher durch das Werk führte. Auch beim Dirigieren der heiklen Rezitative zeigte er seine Meisterschaft.

Wolfgang Hänle

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Johann Sebastian Bach: h-moll Messe (LKZ 03/2011)

In epischem Fluss

[...] Vor zehn Jahren nahm Günter Graulich mit Johann Sebastian Bachs h-Moll-Abschied von dem von ihm gegründeten Motettenchor Stuttgart. Nun führte dessen Nachfolger Simon Schorr zum Jubiläum des Motettenchors erneut Bachs monumentales Sakralwerk auf: höchst eindrucksvoll und von hoher Qualität.

Der Motettenchor ist einer der bedeutendsten Laienchöre der Landeshauptstadt. Zwar blieben am Wahlabend einige Plätze leer in der Markuskirche, doch wie die 70 Sängerinnen und Sänger, darunter eine Reihe junger Gesichter, die Wucht, Strahlkraft und polyphone Architektur der einzelnen Teile der h-Moll-Messe zu Gehör brachten, war erstaunlich.

Großen Anteil an der eindringlichen Aufführung hatte die Kammerphilharmonie Stuttgart, die sich im Wesentlichen aus Mitgliedern des Radio-Sinfonieorchesters zusammensetzt. Simon Schorr wählte kontrastvolle Tempi: das erste "Kyrie" ließ er in epischem Fluss dahinströmen, den Beginn des "Gloria" oder den dramatischen Umschlag vom Kreuzestod zum Auferstehungsjubel im "Credo" gestaltete er mit lebendiger Dynamik. Auch bei den schnellen Tempi des "Osianna" konnte der intonationssichere und artikulationsfreudige Chor prächtig mithalten.

Gut war auch das Solistenquartett aufeinander abgestimmt. Kirsten Dropes leicht geführter Sopran und Sabine Czinczels kerniger, fast vibratoloser Alt harmonierten wunderbar in ihren Duetten, Alexander Judenko sang seine Tenorarien mit strahlend hellem Timbre, Torsten Müller seine Bass-Koloraturen präzise. Ergreifender Höhepunkt war die "Agnus dei"-Arie der Altistin am Schluss des Konzerts.

Dietholf Zerweck

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Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (STN 09.12.2008)

Deutung und Botschaft

Traditioneller geht‘s kaum: Der Motettenchor unter Simon Schorr sang am Sonntag Bachs Weihnachtsoratorium in der Stiftskirche. Aber Schorr wollte Neues entdecken. So trat in der scheinbar schlichten, pastoralen Sinfonia das Kunstvolle hervor. Holzbläser und Streicher spielten sich die Bälle zu, jede musikalische Phrase durfte in ihrer Schönheit strahlen.

Überhaupt spielte der Klang der einzelnen Instrumente eine große Rolle. Die Musiker der Kammerphilharmonie Stuttgart nutzten die Chance, ihr Können zu beweisen. Das galt auch für den klangvollen wie stimmstarken Chor. Ob aufgeregte Hirten oder Jubel — alles wurde lebendig und plastisch gestaltet.

Julius Pfeifer ist ein Evangelist, der die Worte wägt und ihnen Bedeutung gibt. Die Tenorarien singt er zart und zurückhaltend. Marion Eckstein (Alt) überzeugt durch eine warme, einschmeichelnde Stimme, die in allen Lagen sicher ist. Isabelle Müller—Cant singt die Sopranpartie mit viel Dramatik, leider nur fehlt es ihrer Stimme etwas an Kraft. Dem Bass Torsten Müller mangelt es daran nicht, aber seine Arien geraten zu glatt. Am Ende bleibt eine glänzende Interpretation — und das leise Gefühl, die Botschaft könnte über ihr etwas zu kurz gekommen sein.

Friedrich Kern

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Felix Mendelssohn Bartholdy: Elias (STN 20.11.2007)

Worte wie Feuer

Seltsam ist es schon, warum Felix Mendelssohn Bartholdy sich so schwertat mit der Oper. Sein Oratorium "Elias" jedenfalls enthält genug dramatische Passagen. In der Domkirche St. Eberhard führten Simon Schorr und sein Motettenchor Stuttgart das Geschehen geradezu plastisch vor Augen: Ob nun die Baal-Anhänger immer vergeblicher nach ihrem Gott rufen, ob der Gott Israels Feuer schickt oder ein Knabe vermeldet, Regen sei nicht im Sicht - auch ohne Bühne sind das großartige Szenen.

Schorr kostete dabei auch die wunderbare Instrumentation voll aus. Für alle Aufgaben stand ihm mit der Kammerphilharmonie Stuttgart ein präzise spielendes Orchester zur Seite. Besonders das Solocello mit seinem expressiv-herben Klang beeindruckte. Der Motettenchor vollzog die feine Interpretation gut mit, sang mit guter Textverständlichkeit, hatte aber an einigen Stellen nicht genug Kraft, um sich gegen das Orchester zu behaupten. Die Solisten: Isabelle Müller-Cant sang mit wunderbar reinem Sopran, Marion Eckstein (Alt) gestaltete ihre Partie ausdrucksstark, Carsten Süß brachte einen strahlenden, kräftigen Tenor ein. Torsten Müller als Elias überzeugte vor allem in den lyrischen Passagen, die zornigen Seiten dieses Propheten hätten aber wuchtiger sein können.

Friedrich Kern

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Eva Schorr: Wir sind ein Teil der Erde (STZ 08.10.2007)

Kontrapunkte - Ein Konzert für Eva Schorr

Wie stark die Komponistin Eva Schorr von ihren Lehrjahren an der Stuttgarter Musikhochschule bei Johann Nepomuk David geprägt wurde, zeigt sich an der Meisterschaft, mit der sie polyfone Techniken beherrscht: mag ein Werk wie das Kyrie für Chor und Blechbläserensemble auch über weite Strecken homofon geprägt sein, an entscheidenden Stellen setzt sie doch immer wieder Fugati ein. Gerade das Kyrie macht mit seiner schillernden, dichten Harmonik auch den Einfluss Olivier Messiaens deutlich, bei dem sich Eva Schorr bei den Darmstädter Ferienkursen Anregungen holte.

Anlässlich des achtzigsten Geburtstags, den Eva Schorr am 28. September feierte, wurden nun in der Stiftskirche neben dem Kyrie noch ihr Bläserstück „Hora Matutina" und die Kantate „Wir sind ein Teil der Erde" aufgeführt. Letztere ist eine Vertonung der Rede, die der Häuptling Seattle 1855 an den US-Präsidenten Franklin Pierce adressierte, als dieser den geschlagenen Duwamish-Indianern den Verkauf ihres Landes an weiße Siedler anbot. Auch hier zeigt sich Schorrs Kompetenz im Umgang mit kontrapunktischen Techniken: die Klage der Indianer über den Umgang der Weißen mit der Natur hat sie in eine wundervolle Passacaglia gefasst.

Ein gewichtiger Teil am Gelingen des Konzerts gebührt dem von Simon Schorr geleiteten Stuttgarter Motettenchor. Beeindruckend vor allem die leuchtenden Soprane, wobei insgesamt der Ausgewogenheit des Chorklangs einige kräftige Männerstimmen unbedingt zugutekommen würden. Dass der Chor und sein Dirigent dann bei der abschließenden Messe von Igor Strawinsky an ihre gestalterischen und technischen Grenzen stießen, milderte den guten Eindruck des Abends wenig: dieses hochkomplexe Stück kann schließlich auch gestandene Profichöre durchaus vor Probleme stellen.

fab

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Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion (STZ 03.04.2007)

Mit beherztem Zugriff - Der Motettenchor gibt Bachs Matthäuspassion

Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion ist ein sorgsam ausbalanciertes Meisterwerk. Dramatischer Handlungsfortgang und reflektiertes Kommentieren halten sich die Waage. Der Eindruck einer perfekten Konstruktion stellte sich am Sonntagabend in der Aufführung des Motettenchors Stuttgart in der Stiftskirche deutlich ein. Der Dirigent Simon Schorr hatte seine Sängerschar hörbar präzise vorbereitet. Selbst in den polyfon vertrackten Turba-Chören gelang die musikalische Umsetzung technisch rundum überzeugend.

Fast ohne Einsätze kamen die ambitionierten Laiensänger aus, pflegten dabei einen weichen, in sich geschlossenen Chorklang mit klaren Vokalfarben und guter Deklamation, dem als einziger Makel anzumerken wäre, dass er sehr von den Frauenstimmen dominiert war. Die zahlenmäßige Überlegenheit brachte es mit sich. Doch es war durchaus beeindruckend zu erleben, mit welcher Stringenz und welch beherztem Zugriff beispielsweise die Choräle und die Einwürfe der Gruppen des Evangelientextes gesungen wurden, ganz im Gegensatz zum breit angelegten Eingangschor, dem Simon Schorr eine durchaus würdevolle Aura gab, gestützt auf die sensible Spielkultur der Kammerphilharmonie Stuttgart. Musikalisch reizvoll war die Ergänzung durch die Knaben des collegium iuvenum Stuttgart, die den Chorälen eine helle Klangkrone bescherten, aber auch in der dreichörigen Verflechtung des Eingangschors präsent zu hören waren. (...)

Dip

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Georg Friedrich Händel: Der Messias (STN 12.12.2006)

Er weidet seine Herde

Für eine Aufführung von Händels "Messias" hätte Mozarts Jubeljahr Anlass sein können, seine Einrichtung des Werks aus dem Jahr 1789 zu wählen, die neben mancherlei Kürzungen klanglich bereichernde neue Bläserstimmen hinzufügt. Simon Schorr hat dies nicht getan und für seine Aufführung in der Stiftskirche mit dem Motettenchor die Händelsche Version aus dem Jahr 1741 genommen. Der Motettenchor kam dabei mit Händels mitunter koloraturenreicher Stimmführung (etwa im Chorsatz "And He Shall Purify") sicher und agil zurecht, er zeigte Entwicklungspotenzial und ließ etwa im Chorsatz "For Unto Us A Child Is Born" seine Tongirlanden zielführend in die akkordischen Gloriolen "Wonderful, Councellor, The Mighty God" münden. Der schlank und vibratoarm aufspielenden Stuttgarter Kammerphilharmonie Stuttgart entlockte Schorr feine dynamische Schattierungen sowie eine detailreiche Zeichnung; er fand zu lebhaft dialogisierenden Spannungsverhältnissen und zu artikulatorisch prononcierten Lösungen. Unter den Vokalsolisten überzeugte neben Catriona Smith, Alexander Yudenkov und Mikhail Nikiforov insbesondere die Altistin Helene Ranada mit differenzierendem Ausdruck und präzisem Stimmfokus.

Thomas Bopp

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Wolfgang Amadeus Mozart: Krönungsmesse, Vesperae solennes de Confessore (STN 17.05.2006)

Geistliche Spitzen, weltlicher Kitt

Als Bindeglied zwischen Mozarts Krönungsmesse und den Vesperae solennes de confessore, deren chorischen Anteil der Stuttgarter Motettenchor übernahm, hatte Simon Schorr mit dem Solisten Linus Roth und der Kammerphilharmonie Stuttgart in der Leonhardskirche Mozarts fünftes Violinkonzert A-Dur eingeschoben. Als Angelpunkt eignete es sich allein schon von seinem Charakter her zwar nur bedingt, doch Roth konnte hier mit seinem silbrigen strahlkräftigen Ton, seiner immer Präsenz und Freude an einer deutlichen Ausdruckszeichnung zeigenden Profilierung des Soloparts und mit seiner vor allem im Mittelsatz angemessen warm und gefühlvoll wirkenden Sanglichkeit nachhaltig überzeugen.

Dem Orchestersatz hatte Schorr hier ebenso wie in den geistlichen Werken viel Aufmerksamkeit geschenkt. Vor allem in der Krönungsmesse, aber auch in den Vesperae konnten die artikulatorische Kontur, das kleingliedrige Abfedern der Motivik und die dynamisch feinnervige Flexibilität im Instrumentalpart in hohem Maße gefallen. Der Motettenchor bewies stimmkräftigen Glanz, temperamentvollen Elan, Klarheit und Wendigkeit. Das stimmlich und gestalterisch über jeden Zweifel erhabene Solistenensemble (Catriona Smith, Helene Ranada, Donát Havár, Wolfgang Schwinghammer) fügte sich dem auf musikalisch individuelle Charaktergebung abzielenden interpretatorischen Ausdruckswillen Simon Schorrs nahtlos ein.

Thomas Bopp

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Sergej Rachmaninow: Die Glocken (STZ 13.01.2006, STN 14.01.2006)

Lustvolle Verweigerung

(...) Michail Jurowski lässt das blendend disponierte Orchester gewähren und treibt es im nachfolgenden sinfonischen Poem "Die Glocken" von Sergej Rachmaninow gar zu Höchstleistungen an. Mit hellen Glockenklängen wird hier der Kopfsatz zum schmissigen Tanz, angetrieben von den flirrenden Holzbläsern und den beharrlichen Rhythmen der Schlagzeuggruppe.

Und die rund einhundert Sänger des Philharmonia Chors (Einstudierung: Johannes Knecht) und des Motettenchors Stuttgart (Einstudierung: Simon Schorr) stürzen sich ebenfalls mit Verve in die Partitur. Höhensicher und klangintensiv agieren die beiden Chöre. Mit vokaler Attacke legt die Sopranistin Anda-Louise Bogza die elegische Partie der "Hochzeitsglocken" an, während Alexander Teliga in der Liederhalle mit einem noblen Bass und einem dichten Legatoklang die weiten melancholischen Melodiebögen des finalen Totentanzes gestaltet.

Ob drohende Rhythmen, strahlende Klangballungen oder subtile Pianissimomomente, den Stuttgarter Philharmonikern gelingt an diesem Abend im Beethovensaal beinahe alles.

dip

Chorsinfonische Wiederentdeckung

(...) So gut wie nie in westeuropäischen Konzertsälen zu hören ist Sergej Rachmaninows sinfonisches Poem "Die Glocken" (1914/1936) nach einer sehr freien russischen Edgar-Allan-Poe-Übertragung von Konstantin Balmont. In vier Sätzen befasst sich die Kantate mit den vier Lebensaltern des Menschen, symbolisiert durch silbernen ("Schlittenglocke"), goldenen ("Hochzeitsglocke"), kupfernen ("Alarmglocke") und eisernen Glockenklang ("Totenglocke"): Die Glocken als Lebensbegleiter von der Kindheit bis zum Tod. Vokale und instrumentale Ebenen sind im Sinne spätromantisch-chromatischer Durchstrukturierung ineinander verwoben. Dabei liegen die Reize der rund 35-minütigen Partitur vor allem im Bereich raffinierter Klanglichkeit mit deutlichen Bezügen zu Rachmaninows Tondichtung "Die Toteninsel" und zu den späten Sinfonischen Tänzen. Der Philharmonia Chor (Leitung: Johannes Knecht) und der Motettenchor (Leitung: Simon Schorr) präsentierten sich vor allem im dritten Satz, wo sie beinahe pausenlos in expressionistisch zerklüfteter Manier bis zur Sechsstimmigkeit gefordert sind, in Topform. Ausgezeichnet auch die perfekt des Russischen mächtigen Solisten Anda-Louise Bogza (Sopran), Ilya Levinsky (Tenor) und Alexander Teliga (Bassbariton). Dankbarer Beifall für eine chorsinfonische Wiederentdeckung.

Helmuth Fiedler

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Johannes Brahms: Liebeslieder-Walzer, Zigeunerlieder, Instrumentalmusik (STN 13.06.2005)

Profane Chorfreuden

Motettenchor in der Matthäuskirche. Allein schon mit den hier veranstalteten Internationalen Orgelkonzerten, die oft genug den Zuhörer mit Musikstücken rein profanen Charakters konfrontieren, hat sich die Matthäuskirche im kulturellen Leben der Landeshauptstadt längst als veritabler Konzertsaal etabliert. Am Samstag durfte man dort, Simon Schorr und seinem Motettenchor Stuttgart sei Dank, mit den Liebeslieder-Walzern und den Zigeunerliedern von Johannes Brahms auch ganz und gar "weltliche" Vokalmusik genießen.

Die stimmungsvollen Gesänge blieben in ihrer überschäumenden melodischen Fülle auch in diesem Rahmen nicht ohne Wirkung. Beim gut disponierten, mittlerweile deutlich verjüngten Motettenchor setzten in den Liebesliedern insbesondere die schlank geführten Frauenstimmen ("Wie des Abends schöne Röte", "Wohl schön bewandt war es") helle, freundliche Akzente. Darüber hinaus berührte das ganz behutsam intonierte Lied von der Nachtigall.

Nicht minder präsent erlebte man das Vokalensemble unter dem agilen Dirigat von Simon Schorr in den Zigeunerliedern. Da tönte "Lieber Gott, du weißt" fein differenziert, wurde "Röslein dreie" klanglich besonders ausgewogen präsentiert, entfaltete "Mond verhüllt sein Angesicht" lyrischen Zauber. Die gewiss elegante und farbige vierstimmige Klavierbegleitung durch Magdalene Staudenmaier-Saftien und Ulrich Stierle jun. fiel leider über weite Strecken der eher steril anmutenden Akustik im "Heslacher Dom" zum Opfer. Ähnliches gilt für die in sich klar gezeichnete Wiedergabe des Brahms-Klaviertrios Nr. l H-Dur durch das Trio Aviva (Mechthild und Gertrud Dieterich, Miki Futamura).

Dietrich Röder

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César Franck: Die Sieben Worte Jesu am Kreuz; Gioacchino Rossini: Stabat Mater (STN 18.03.2005)

Rossini und Franck

Motettenchor Stuttgart in der Stiftskirche. Die Musik zur Passionszeit in der gut besuchten Stiftskirche mutierte sehr positiv zu einer Musik aus Passion. Rossini schrieb sein "Stabat Mater" nach etwa vierzig Buffo-Opern. Es konnte nur eine Passions-Oper daraus werden. Man muss Simon Schorr danken für die Begegnung mit den Schönheiten dieses Werkes. Ein virtuos-agiles, schön timbriertes, raumgreifend singendes Solistenquartett mit Isabelle Müller-Cant, Marion Eckstein, Alexander Yudenkov und Mikhail Nikiforov beschwor die dramatischen Akzente, konnte sich aber im a-capella gesungenen "Quando corpus morietur" auch ganz zurücknehmen. Die Kammerphilharmonie Stuttgart zeigte im Tutti aber auch in den vielen Solopartien professionelles Klanggeflecht, von Simon Schorr immer zur musikantisch frischen Sichtweise ermuntert.

Kaum bekannt ist das vorangegangene Oratorium "Die sieben Wort Jesu am Kreuz" von César Franck, das fast 100 Jahre in einem privaten Archiv schlummerte. Hier nun war der Chor der hauptsächliche Träger des musikalischen Geschehens und der gut besetzte Motettenchor ließ die von großem Ernst getragenen Sätze mit größtmöglicher innerer Ruhe spätromantisch aufblühen. Schorr modellierte mit Achtsamkeit und doch mit der nötigen Spannung.

Wolfgang Teubner

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Joseph Haydn: Die Schöpfung (STN 19.10.2004)

Leuchtkraft und Inbrunst

Motettenchor in St. Eberhard. Als sich Haydn an die Komposition seines Oratoriums "Die Schöpfung" machte, hatte er die hohe Kunst der Orchestrierung in einer Vielzahl von Sinfonien hinreichend erprobt. Ohne eine derart feinfühlige und sichere Beherrschung der Instrumentierung wäre allein schon ein Klangfarbenstück, wie es die Einleitung zu diesem Oratorium darstellt, kaum denkbar gewesen. Simon Schorr sorgte sich bei seiner Aufführung des Stücks in der Domkirche St. Eberhard deshalb mit Grund vor allem darum, hier und in den Arien die mannigfachen Valeurs des Orchestersatzes leuchtkräftig und konturenscharf offen zu legen. Dies gelang dank der vorzüglichen Instrumentalisten der Kammerphilharmonie Stuttgart mit ausgesuchter Sensibilität und Tongebung. Aus seinem Motettenchor hatte Schorr einen agilen, Gottes Schöpfung mit Inbrunst preisenden Klangkörper geformt, der das zahlenmäßige Missverhältnis von Frauen- und Männerstimmen geschickt zu kaschieren verstand und auch in den imitatorischen Passagen die Balance wahrte. Die drei Solopartien hatten in dem strahlkräftigen Sopran Isabelle Müller-Cants eine liniengenau und ausdrucksintensiv ausformulierende Darstellerin des Gabriel und der Eva gefunden, Andreas Weller (Tenor, Uriel) wusste den Textinhalt stimmlich flexibel und mit lebendiger Anteilnahme zu seiner eigenen Sache zu machen, und Stefan Claas (Bass, Raphael, Adam) überzeugte ungeachtet seiner im Konzertverlauf zunehmenden stimmlichen Indisposition mit einer variablen, bis zum dramatisch zupackenden Gestus ("Rollend in schäumenden Wellen") auffahrenden Ausdruckshaltung.

Thomas Bopp

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Ludwig van Beethoven: Christus am Ölberge und Messe in C-Dur (STN 30.03.2004)

Der gefangene Christus

Motettenchor Stuttgart in der Stiftskirche. Beethoven, der als erster Komponist die Unabhängigkeit von Hof und Kirche wählte, hat immerhin drei kirchliche Werke hinterlassen. Vor der "Missa solemnis", die 1822 fertig wurde, entstanden 1803 das Oratorium "Christus am Ölberg" und 1807 die Messe C-Dur. Simon Schorr hat mit dem Motettenchor diese ersten beiden Kirchenkompositionen Beethovens einander gegenübergestellt. Jesus wird in dem Passionsoratorium, das mit der Gefangennahme nur einen kleinen Abschnitt der Leidensgeschichte behandelt, einer Tenorstimme anvertraut, und Alexander Yudenkov hätte mit seinem biegsamen Timbre die unterschiedlichen Ausdruck sebenen der Partie kaum ansprechender und vielfältiger ausdeuten können.

Stimmlich angestrengt agierte dagegen Lisa Carlioth (Sopran) als Seraph. Die Gruppen der Krieger wie die der Jünger Jesu hat in raschem Wechsel der Chor zu übernehmen. Er zeigte Präsenz und Nachdruck, blieb aber dennoch bisweilen ein wenig zu undramatisch. Die Kammerphilharmonie Stuttgart hätte dem lnstrumentalpart, obschon spannungsvoll und federnd phrasierend, noch mehr Eigenständigkeit und Farbkraft verleihen können. Auch in Beethovens C-Dur- Messe fehlte es dem Orchester (trotz seiner edel aufblühenden Holzbläser) mitunter an Transparenz und Profil. Der Chor zeigte sich beweglich im Ausdruck, doch konnte er nicht immer genug Festigkeit und Durchschlagskraft einbringen.

Thomas Bopp

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Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium (STN 10.12.2003)

Jauchzen, Frohlocken
Motettenchor in der Stiftskirche

Die Zeit des Jauchzens und Frohlockens ist gekommen: die Zeit von Bachs Weihnachtsoratorium, das den Kirchen allerorten gut besetzte Bänke garantiert. Umweht noch von süßen Düften des Weihnachtsmarktes, gab auch der Stuttgarter Motettenchor unter Simon Schorrs Leitung in der Stiftskirche die Kantaten 1-3 sowie den abschließenden sechsten (Dreikönigs-)Teil.

Dass die Aufführung rund wirkte, lag zu einem guten Teil am sehr genauen und durchsichtigen Spiel der begleitenden Kammerphilharmonie Stuttgart, welche die raschen und bewegten Tempi des Dirigenten sehr präzise umsetzte und auch den solistischen Anforderungen auf sehr schöne Weise gerecht wurde.

Der Motettenchor gestaltete die Chorsätze deutlich und engagiert. Wohl hätte man manche Phrasen klarer voneinander absetzen können - doch war Simon Schorr der natürliche Fluss des Geschehens deutlich wichtiger als eine prägnante Gliederung, welche notwendig die Gefahr des Über-Akzentuierens in sich trägt. Zwar wirkten die Tenöre bei exponierten Aktionen etwas überfordert, doch der Chor insgesamt agierte sehr einheitlich, und oft hatte er das atmende Gestalten der Instrumentalisten selbst ebenfalls verinnerlicht.

Unter den Solisten konnten sich neben der leicht tremologefährdeten Sopranistin Isabelle Müller-Cant und der recht nüchtern agierenden Altistin Marion Eckstein vor allem der im Erzählen starke Tenor Andreas Weller mit seiner geraden, edlen Höhe und der Bass Wolfgang Schöne positiv ins Licht setzen. Zwar war bei diesem nicht jeder Ton ein Volltreffer; dass es dem Sänger gelang, über die Schwierigkeiten seiner Partie hinaus zu viel Ausdruck zu gelangen, entschädigte dafür jedoch in vollem Maße.

ben

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Anton Bruckner: Motetten und Posaunenmusik (STN 31.10.2003)

Motettenchor unter Simon Schorr
Bekenntnis zu Bruckner

Im 19. Jahrhundert galt der A-cappellaGesang als reinste Form des vokalen Ausdrucks. Nicht zuletzt Anton Bruckner hat mit seinen Motetten eine hohe und einsame Kunst geschaffen, die das romantische Klangideal mit der kunstvollen Tradition von Palestrinas Kirche verbindet. Einige der schönsten Schöpfungen aus diesem reichen Fundus erklangen jetzt in der Stuttgarter Matthäuskirche, gesungen - nomen est omen - vom Motettenchor Stuttgart unter Simon Schorrs präzisem Dirigat

Bruckners sakrale Kompositionen zeigen eine starke persönliche Auseinandersetzung und ein gläubiges Bekenntnis zu den Inhalten der vertonten Worte. Gerade hier, nämlich in einer äußerst sorgfältigen Textdeklamation, liegt offensichtlich die Stärke dieser gut besetzen Sängerschar. Deutlich wurde dies bei der unmittelbar berührenden, ausdrucksstarken Wiedergabe der Motette "Christus factus est", aber auch im siebenstimmigen "Ave Maria" und in der den Abend beschließenden kleinen Messe für vierstimmigen Chor.

Auf solche Weise ließ man sich die klanglich mitunter etwas "matten Gesänge" durchaus gefallen. Ausgesprochen wohl temperiert präsentierte sich in diesem Konzert das Collegium Canorum, ein Posaunenquartett, ebenfalls mit Bruckner-Werken (schön: das ursprünglich für Chorbesetzung komponierte "Tota pulchra es") sowie mit Stücken von Franz Liszt und Alfred Reed. Mit Max Regers Rhapsodie cis-Moll bot schließlich Ulrich Stierle junior - geradlinig, flüssig, breit dimensioniert - an der Orgel ein packendes Musizierstück.

Dietrich Röder

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Johann Sebastian Bach: Johannespassion (STN 17.04.2003)

"Johannespassion mit dem Motettenchor"

[...] Als der Chor in St. Eberhard Bachs Johannespassion gab, hatte der Chorleiter Simon Schorr auf eine Belebung und Durchleuchtung des Klanges durch klare musikalische und textliche Akzentuierungen gesetzt und dem musikalisierten Passionsgeschehen mit sehr beweglichen Tempi eine vorwärts drängende Dramatik verliehen. Tatsächlich machte sein Zugriff den Abend spannend und ereignisreich.

Dabei glänzte die begleitende Kammerphilharmonie Stuttgart durch schöne solistische Aktionen (Bläser, Cello), und die Bassgruppe nahm durch ihr intelligentes, ideenreiches Begleiten in höchstem Maße für sich ein. Den hohen Streichern hingegen fehlte es an Gleichklang von Saiten und Seelen: Viele Aktionen zerfaserten, vieles wirkte nur mangelhaft koordiniert.

Gute Solisten (Isabelle Müller-Cant, Marion Eckstein, Torsten Müller, Kresimir Strazanac) ergänzten die insgesamt positive Leistung des Motettenchores. Und Andreas Weller war nicht nur ein eminent ausdrucksstarker, durch seine klare, helle und ganz schlackenlos geführte Stimme überzeugender Evangelist, sondern stellte sich außerdem der Tour de Force der Tenorarien. Mit exzellentem Ergebnis: Weller wift sich so vehement gleichermaßen in Mitleid und Lobpreis hinein, dass seinen Zuhörern nichts anderes übrig bleibt, als ihm dorthin staunend gleichfalls zu folgen.

Susanne Benda

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Georg Friedrich Händel: Messias (STZ 12.12.2002)

"Messias" in der Domkirche

Ordentlich

Händels "Messias" in der Weihnachtszeit - das ist eine missverständliche Tradition, denn das dramatisch bewegte Oratorium erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Erlösers von der Geburt bis zur Himmelfahrt und wäre somit während der Passionszeit besser platziert. Dennoch verbinden wir hier und heute vor allem das schmetternde "Hallelujah" gerne mit den dunklen Wintertagen, obwohl Händels umfängliches Werk weit häufiger leise Töne anschlägt. Der Motettenchor Stuttgart unter Simon Schorr sang den "Messias" in der Domkirche St. Eberhard im englischen Original.

Am besten waren die Sängerinnen und Sänger in den großflächigen, ruhigen Chören und dramatischen Ausbrüchen. Auch die ausgedehnten Koloraturen, harte Bewährungsproben für jeden Chor, bewältigten sie sehr ordentlich - wobei allzu "deutsche" Präzision der federnden Rhythmik Händels abträglich sein kann, denn sie verleiht weiten Teilen des "Messias" eine trotz des besungenen Themas verblüffende Leichtigkeit.

In der Arie "He was despised" hingegen überraschte der Dirigent mit einem ungewöhnlich flotten Tempo. (...) Berthold Schmid (Tenor) und der Bassist Markus Lemke fanden die Balance zwischen kultiviertem Oratoriengesang und dramatischer Geste auf individuelle Weise. Wie schwierig die Solopartien sind, durfte man nur bei Barbara von den Boom vergessen, deren himmlisch leuchtender Sopran auch die Hürden der englischen Aussprache mit Leichtigkeit überwand.

jha

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Georg Friedrich Händel: Messias (STN 10.12.2002)

Simon Schorr und der Motettenchor Stuttgart mit Händels "Messias" in der Domkirche St. Eberhard

Konzentration auf den Fluss des Geschehens

Routine ist etwas Fabelhaftes, wenn Schwächen überspielt oder kleine Tiefs ausgebügelt werden sollen.

Derlei Absicherungen stehen Simon Schorr nicht zur Verfügung, wenn er mit dem Motettenchor Stuttgart den "Messias" aufführt. Da gibt es Händel direkt: stets zupackend, ständig hellwach, jeder Takt eine Herausforderung. Ein Buchhalter barocker Töne wäre da als Dirigent fehl am Platze. Erfüllte Gegenwart also von Anfang an, von Simon Schorr weit ausholend in die gut besuchte Domkirche St. Eberhard hereingeholt. Man singt in englischer Sprache, gibt sich aber der englischen Mentalität mit ihren Überzeichnungen nicht hin. Die Streicher der Kammerphilharmonie Stuttgart halten den Klang trocken. Die Bläser exaltieren sich nicht, dürfen in ihren Soli aber glänzen. Der Motettenchor setzt an die Stelle plakativer Szenen einen sorgfältig kontrollierten Klang mit überraschend klar artikulierten Fugen, beherrschtem Forte und schön angesetzten Piano- und Mezza-voce-Passagen.

Den irdischen Weg des Messias begleiten die sechzig Choristen mit unaufdringlicher Pracht. Umso festlicher wirken dann die Triumphchöre, das temperamentvoll entflammte "Halleluja" oder der abschließende Lobpreis. Simon Schorrs geringfügige Kürzungen verhindern bei einer Aufführung ohne Pause abendliche Überbeanspruchung für Sänger und Hörer.

Das innere Gleichgewicht der Aufführung wurde durch die Vokalsolisten mitgetragen. Die Sopranistin Barbara van den Boom legte stimmliches Frohlocken auf lyrische Gesangslinien wie auf barocke Verzierungen. Die Sanftmut in der Stimme von Anne Greiling machte sie zur gut gewählten Sängerin der Anteilnahme: die Altarie "He was despised" kam aus innerer Spannung. Der nobel geführte Tenor von Berthold Schmid verriet kenntnisreiche Erfahrung im barocken Fach, und dem jungen Bassbariton Markus Lemke gelangen auf der Basis schlichter Eindringlichkeit dynamisch sinnvoll aufgebaute Arien.

Nach zweieinviertel Stunden gab es hallende Beifallsszenen für eine Aufführung, die sich stilistischer Ideologien enthielt und die durch ihre Konzentration auf den Fluss des Geschehens überzeugen konnte.

ERWIN SCHWARZ

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Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem (STN 05.03.2002)

Motettenchor in der Domkirche St. Eberhard

Homogen ausbalanciert

Seit Jahresbeginn hat Simon Schorr die Leitung des traditionsreichen Stuttgarter Motettenchores übernommen; in der Domkirche St. Eberhard stellte er sich und die Arbeit mit seinem Chor nun erstmals vor.

Schon in den drei das Konzert eröffnenden, um Tod, Passion und Bekenntnis kreisenden A-cappella-Chören aus Regers "8 GeistlichenGesängen" op. 138 zeigte sich der Chor in guter Verfassung: Er vermochte Regers heikle Harmonik konturenscharf zu intonieren und Schorrs feinsinnig modellierte Klangbögen mit ausdrucksvoller Dynamik und Agogik zu beleben. In Mozarts "Reqauiem", dem Hauptwerk des Abends, überzeugten SImon Schorr und seine ENsembles - neben dem Chor ein Orchester aus Mitgliedern des SWR-Radiosinfonieorchesters, des Staatsorchesters und der Stuttgarter Philharmoniker - mit einem facettenreich differenzierenden Gestaltungswillen.

Stets hatte Schorr die Kontrolle über Chor und Orchester, erreichte eine spannungsgeladen durchgezeichnete, unaufdringlich die musikalische Struktur betonende Linienführung mit feiner dynamischer Abstufung, kontrastreich gewichteten Ausdrucksebenen und sprechenden, in sich abgerundeten Phrasenbögen. Der weit gehend homogen ausbalancierte Chor zeigte sich wendig und fähig, selbst bei angezogener Temponahme (Kyrie, Quam olim Abrahae, Com Sanctis tuis) nicht das Profil zu verlieren.

Das Solistenquartett (Isabelle Müller-Cant, Sopran; Marion Eckstein, Alt; Julius Pfeifer, Tenor; Torsten Müller, Bass) löste den hohen gestalterischen Anspruch ein - stimmlich wie auch in einer engagierten, packenden Ausdruckshaltung.

THOMAS BOPP

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Johann Sebastian Bach: Messe h-moll (STN 04.12.2001)

Günter Graulich dirigiert letztmals den Motetettenchor Stuttgart

Dirigierstab für den Nachfolger

50 Jahre Motettenchor Stuttgart, das bedeutete im zweiten Festkonzert mit Bachs h-Moll-Messe in der Domkirche St. Eberhard zugleich auch Abschied von dessen Gründer Günter Graulich.

Dabei reichte der Fünfundsiebzigjährige ganz am Schluss seinem Nachfolger Simon Schorr, der an diesem ersten Advents-Sonntag ein letztes Mal im Chor-Bass mitsingen und zwischendurch hinter dem Altar auch noch den Sanitäter spielen durfte, im wahrsten Sinne des Wortes seinen Dirigierstab weiter.

Fünf Jahrzehnte lang ging Graulich als Bach-Interpret entschieden, aber nicht stur seinen eigenen Weg. Dieser mit allen Wassern gewaschene Chor-Pädagoge wollte Bachs Musik ganz aus sich selbst heraus entstehen und leben lassen. Er überfrachete sie nicht mit Symbolgewicht oder tieferer theologischer Bedeutung. Engsprechend begann er das Kyrie der h-Moll-Messe konzentriert, positivistisch, ließ die Sache erst allmählich sich entwickeln. Das zweite Kyrie erklang dann nicht nur archaisch, sondern bekommen, und im Lobpreisgesang "Cum sancto spiritu" hatten die grandios sich steigernden Riesen-Akkorde des Chors die nötige Dringlichkeit. Im Grunde zielte Graulichs Konzeption auf einen oratorischen Monumental-Bach, bei dem nicht nur das hohe Leistungsniveau des Motettenchors, sondern auch das immer wieder durchbrechende Temperament seines Dirigenten überraschten, gekoppelt mit einer am Vorbild Hans Grischkat geschulten Tendenz zu markanten Akzentuierungen ("Crucifixus", und expressiven Verbreiterungen an Satzenden ("Dona nobis pacem").

Die Vokalsolisten versahen ihre Aufgaben angemessen. Mechthild Bachs Sopran verbündete sich in den Duetten gut mit dem Alt von Susanne Krumbiegel. Raimund Nolte (Bass) und Andreas Weller (Tenor) stellten ebenso ihre hohe Metiersicherheit unter Beweis, wobei das aus Profimusikern zusammengestellte Bachorchester Stuttgart (Konzertmeister: Wolf-Dieter Streicher) mit ganz vorzüglichen solistischen Leistungen aufwarten wusste. Zum Schluss kräftiger, dankbarer Applaus in der von jugendlichen Zuhörern gut besuchten Domkirche St. Eberhard und ein originelles Abschiedsgeschenk: Eine Kombination aus Rohdiamant und Brilliant - Symbol für die allzeit erfolgreiche Chorarbeit des scheidenden Gründungsdirigenten.

HELMUTH FIEDLER

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Johann Sebastian Bach: Messe h-moll (STZ 04.12.2001)

Festlicher Stabwechsel

Motettenchor verabschiedet Günter Graulich nach 50 Jahren

Nach fünfzig Jahren hat sich der Gründer und Leiter des Motettenchors Stuttgart, Günter Graulich, mit einem glanzvollen Festkonzert in der prallvollen Domkirche St. Eberhard von seinem Chor und seinem Publikum verabschiedet. Obwohl er selbst ihn nie benützt hat, hat er ihn am Sonntagabend an seinen aus den eigenen Reihen stammenden Nachfolger Simon Schorr weitergegeben: den Dirigentenstab, den er auch an diesem Abend nicht braucht.

Immer wieder in diesen fünfzig Jahren, die geprägt waren von der Musik Bachs und Schütz', aber auch der Neugier auf Neuentdeckungen und Wiederausgrabungen, war es die h-Moll-Messe, die einen wichtigen Platz einnam. Mit der nun letzten Aufführung unter Graulich bewies der Motettenchor einmal mehr, dass er solch große Herausforderungen bestehen kann. Präzise Artikulation, fließende Tempi, deutliche dynamische Abstufungen und ein homogener Klang zeichneten den Chor aus, der lediglich im langen "Credo" einen kleinen Einbruch erlebte, als die Intonation arg danebenlag. Die vier Solisten Mechthild Bach, Susanne Krumbiegel, Andreas Weller und Raimund Nolte erledigten ihre Aufgabe souverän und mit Bravour, getragen vom hörbar gut aufgelegten Bachorchester mit Konzertmeister WOlf-Dieter Streicher an der Spitze.

Günter Graulich wirkt - weit über siebzig ist er nun - immer noch jugendlich und frisch, besteht die Anforderungen dieser langen Messe und hält Chor und Orchester auch ohne Taktstock selbst an heiklen Übergängen und Tempowechseln zusammen. Über Graulich hieß es aus den Reihen des Chores, er habe diesen Rohdiamanten Motettenchor geschliffen. Nun solle ihmim Ruhestand das Licht leuchten: ein ungeschliffender Rohdiamant und ein leuchtender Brillant, das seien die Symbole für Graulich. Eine Ära ging mit ihm zu Ende, gekrönt von einem festlichen Konzert mit begeisterten Zuhöreren.

MARKUS DIPPOLD

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G. Graulich nimmt Abschied vom Motettenchor Stuttgart (STZ 01.12.2001)

Unverkennbar: Günter Graulich nimmt Abschied vom Motettenchor Stuttgart

Seit fünf Jahrzehnten ist der Motettenchor Stuttgart eine Institution im Kulturleben der "heimlichen Hauptstadt der Chormusik". Seine singuläre Bedeutung erhält dieses Jubiläum durch die gleichfalls fünfzigjährige Partnerschaft des Chors mit seinem Gründer und künstlerischen Leiter Günter Graulich, der sich jetzt in den verdienten Ruhestand verabschieden möchte.

In der langen Zeit seines Wirkens hat der heute fünfundsiebzigjährige, persönlich stets bescheidene und verbindliche Musiker mit dem Motettenchor ein stilistisch vielseitiges Repertoire erarbeitet, das Werke vom 17. bis zum 20. Jahrhundert umfasst. Die glückliche Einheit von hoher fachlicher Kompetenz, musikalischer Inspiration, Begeisterungsfühigkeit und humanem Engagement ermöglichte es Günter Graulich, seinem Chor ein unverwechselbares Profil zu verleihen.

Wie viele der evangelischen Kirchenmusiktradition verpflichtete Dirigenten fand Günter Grualich erst relativ spät zur Chormusik des 19. Jahrhundert. Neben Schütz setzten Bach, Vivaldi, Mozart zuvorderst Schwerpunkte im Repertoire des Motettenchors, nicht zu vergessen Johann Nepomuk David, Ernst Pepping und Hugo Distler, die der geistlichen Musik des 20. Jahrhunderts die wesentlichsten Impulse gaben. Durch die Beschäftigung mit Mendelssohn, Bruckner, Brahms und Reger wurde Graulich aber mit der Zeit zum beredten Anwalt der musikalischen Romantik.

Günter Graulich, der mehr als fünfundzwanzig Jahre lang mit dem aus Mitgliedern des Staatsorchesters bestehenden Bach-Orchester zusammenarbeitete, hat es verstanden, den aus Liebhabern wie aus semiprofessionellen Sängern bestehenden Chor immer wieder behutsam zu erneuern, wobei ihm die ständige Schulung der Stimmen im Einzelunterreicht und beim chorischen Einsingen ein wichtiges Anliegen ist.

Sein Abschiedskonzert morgen Abend mit Bachs h-Moll-Messe und die Weitergabe des Dirigentenstabs an seinen Nachfolger Simon Schorr in der Domkirche St. Eberhard setzen nicht zuletzt ein schönes Zeichen musikalisch-ökumenischer Gemeinschaft. Die fünfzigjährige harmonische Verbundenheit mit seinem Motettenchor resümiert Günter Graulich mit den Worten: "Dieser Chor war eine der Glücksfälle meines Lebens, dem ich die wunderbare Möglichkeit danke, das nach meiner Vorstellung Kostbare auszuwählen und mit ihm zum Klingen zu bringen. Ich bin sicher, dass wir damit uns selber und die große Zahl unserer Hörer bereichern konnten, ad maiorem Dei gloriam."

DIETER LINDAUER

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Felix Mendelssohn-Bartholdy: Paulus (STZ 15.05.2001)

Zum Geburtstag Mendelssohn

Wahrlich ein seltenes Jubiläum: Der Motettenchor Stuttgart feiert sein 50-Jahr-Jubiläum, und sein Gründer und Spiritus Rector Günter Graulich schwingt wie damals (vorläufig) noch den Dirigentenstab.

Und so begingen die Sängerinnen und Sänger und ihr nach wie vor energiegeladener "Chef" das halbe Jahrhundert mit einer dem Ereignis angemessenen Festaufführung: Mendelssohns Oratorium "Paulus" erklang in der Domkirche St. Eberhard. Der Chor setzte dann auch im Verlauf des Abends beherrschende Akzente, ganz besonders in den eher verhaltenen, lyrischen Passagen ("Siehe, wir preisen selig"; "Wie lieblich sind die Boten"). Andächtig und bekenntnishaft: die Choräle, wenngleich mitunter etwas schleppend intorniert. Die zahlreichen Sopran-Rezitative sang Donna Ellen mit klarer Diktion. Wie beweglich ihres Stimme tatsächlich ist, wurde in ihrer ersten Arie und nicht zuletzt im Arioso "Lasst uns singen von der Gnade" deutlich. Die Titelpartie (Saulus/Paulus) führte Tobias Scharfenberger (Bass) mit angenehm timbrierter Stimme aus, der es allerdings gelegentlich an Durchschlagskraft mangelte. Trotz nicht ganz stabiler Stimmführung in exponierter Lage gestaltete Roger Widmer die Tenorpartie mit bemerkenswerter Sensibilität, vor allem die Cavatine "Sei getreu bis in den Tod". Ihre leider nur wenig umfangreiche solistische Aufgabe erfüllte Marion Eckstein "Alt) mit wohltuend schlanker und geschmeidiger Stimme. Mit klanglicher Delikatesse sowohl bei den Streichern als auch bei den Bläsern agierte das Bachorchester Stuttgart.

DIETRICH RÖDER

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